Die Inhaltsangabe
Vielleicht ein Wort dazu, was eine gute Inhaltsangabe ausmacht.
Zuerst einmal schreibt man als Einstieg etwas über den Text, also nicht über dessen Inhalt, sondern die Bedingungen, unter denen er entstanden ist bzw. was es überhaupt für eine Textform ist. Handelt es sich um ein Gedicht, einen Roman oder gar einen Zeitungsartikel? Wann und wo wurde er zum ersten Mal veröffentlicht? Wer war die Autorin, der Autor? Wann wurde sie oder er geboren? Zuerst einmal wird bei einer Inhaltsangabe also alles "drumherum" thematisiert, ohne dass die Einleitung zu lang werden sollte. Man will sich ja nicht im historischen Kontext verlieren, sondern zum Text kommen. Man sollte vielleicht noch erwähnen, aus welcher Erzählperspektive der Text geschrieben ist: aus der Ich-Perspektive oder in der 3. Person (sie/er-Perspektive)?
Was nun folgt, ist eine Zusammenfassung - keine Nacherzählung! Die Nacherzählung würde die Stimmung des Originaltextes aufnehmen und sehr detailliert alles wiedergeben. Wenn die Großmutter den Enkeln “Hänsel und Gretel” nacherzählt, macht sie das stimmungsvoll und nah am Originaltext, wenn auch in ihren eigenen Worten. In der Inhaltsangabe ist für so eine genaue Wiedergabe nicht genug Platz/Zeit. Hier reicht eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte. Es können ein bis drei Seiten sein. Jeder Film, jedes Buch und jedes Märchen ließe sich auch in einem einzigen Satz zusammenfassen: Das Geschwisterpaar Hänsel und Gretel wird im Wald zurückgelassen, bezwingt eine böse Hexe und findet schließlich den Heimweg zum Haus des Vaters. Stimmt zwar, aber das wäre zu kurz, wenn man ein Buch oder einen Film vorstellt! Auch wenn die Zusammenfassung keine detailgetreue Nacherzählung ist, geht sie doch auf alle wesentlichen Punkte ein und wird übrigens im Präsens verfasst!
Im dritten Teil der Inhaltsangabe, dem Schluss, kann man sein Resümee ziehen. Hat die Autorin, der Autor es geschafft, mit der verwendeten Sprache den Inhalt gut “rüberzubringen”. War die Wortwahl zu wissenschaftlich? Zu umgangssprachlich? Hat der Spannungsbogen getragen oder waren Passagen langweilig? Haben sich die Figuren überzeugend verhalten/entwickelt etc. Man kann hier auch seine eigene Meinung einfließen lassen oder Hinweise geben auf andere Werke der Autorin, des Autors. Der Schluss einer Inhaltsangabe versucht dasselbe zu machen, was auch in einer gut gehaltenen Rede oder einem Roman angestrebt wird, nämlich das Ganze zu runden, also den Anfang wieder aufzunehmen oder aufgeworfene Fragen zu beantworten oder wenigstens ein gutes Gefühl der Ganzheit zu vermitteln, dass man jetzt fertig ist mit dem Zuhören bzw. Lesen.
Probiert’s mal bei dem von euch gewählten Buch!
Schönen Gruß,
Th. Klotz